Hildener Allgemeine Turnerschaft von 1864 e. V.

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Selbstverteidigungskurse für Kinder in der Hildener AT

Auch dieses Jahr wurden in den ersten beiden Wochen der Sommerferien (vom 16. Juli bis 27. Juli 2018) zwei Selbstverteidigungskurse für Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 14 Jahre angeboten. Unter dem Motto „Nicht mit mir!“ haben die 16 Teilnehmer im ersten und elf Teilnehmer im zweiten Kurs je eine Woche lang gelernt, wie man sich gegenüber Erwachsenen und stärkeren Kindern in gefährlichen Situationen verhält, um selbst kein Opfer zu sein. Grundlage hierfür bildet das Selbstverteidigungs-System Ju-Jutsu. Ziel sind hierbei die Vermittlung der fünf „S“: Selbstbehauptung, Selbstbewusstsein, Selbstsicherheit, Selbstverteidigung und Spaß.
Geleitet wurde der Kurs von Jonny Dekorsi, Paula Mathiak und Alexander Rudloff, allesamt Übungsleiter der Hildener AT.

Nach einem kurzen Theorieteil, in dem die körpereigenen Waffen und empfindliche Körperstellen besprochen wurden, näherte man sich dem Thema auch praktisch. Zunächst wurde die Stimme geschult. Dies sei die wichtigste Waffe des Körpers betonte Jonny oft. Denn Ziel ist es bei einem Angriff das Umfeld durch einen „Schrei“ auf sich aufmerksam zu machen und den Angreifer abzuschrecken. Hauptaugenmerk lag hierbei auf das Schreien von „Feuer“ und „Stopp“ bei einer Verteidigungsstellung, welche nicht nur die Bereitschaft sich zu verteidigen signalisiert, sondern auch einen sicheren Stand für folgende Techniken darstellt.

Es wurden verschiedenste Übungen zum Vertrauensaufbau durchgeführt, da man sich auf seinen Trainingspartner gut verlassen können muss. Durch leichte Schläge auf den Körper oder durch Bedrängen wurden Situationen geschaffen, wie sie auf der Straße oder dem Schulhof passieren können. „Hier ist es wichtig den Kopf zu schützen und dann so schnell wie möglich aus der Situation zu kommen“, wiederholte sich Jonny.

In den darauffolgenden Tagen wurden verschiedene Verteidigungen gelehrt, um auf Angriffe reagieren zu können, die auf der Straße passieren können. So lernten die Teilnehmer, wie man sich mittels kneifen und Haare ziehen aus dem Schwitzkasten befreien kann, oder wie man sich gegen eine Umklammerung wehren kann, aber auch wie man einem Freund helfen kann. „Was mache ich, wenn der Angreifer eine Glatze hat?“, fragte ein Teilnehmer und die Trainer zeigten noch eine Alternative – an den Ohren ziehen oder Nasendruck – und ermutigten die Teilnehmer immer wieder die verschiedenen Varianten auszuprobieren. Jeder sei schließlich anders und da klappt dann vielleicht die eine Technik nicht so gut wie eine andere. Doch schnell wurde allen klar, dass auch einfache Technikfolgen immer einem bestimmten Muster folgen. So muss man zunächst den Angreifer mit einer Schocktechnik irritieren und kann dann die eigentliche Befreiung anwenden. Abschließend wird die Schocktechnik wiederholt, um beim Wegrennen noch mehr Vorsprung zu bekommen.

Die Techniken wurden von den Kindern intensiv eingeübt. Darüber hinaus sollten die Kinder aber auch lernen präventiv zu handeln. Es wurde den Kindern gezeigt, wie sie Situationen im Alltag mithilfe ihres Bauchgefühls richtig einschätzen können, um Konfrontationen zu vermeiden. Wann sollte man die Polizei verständigen? Kann man in Geschäfte gehen, um Hilfe zu holen? Was ist eine „Notinsel“? All diese Fragen wurden von den Trainern fachgerecht beantwortet, so dass keine Frage mehr offenblieb.

Außerdem lernten die Kinder auf einen Griffansatz zur Brust zu reagieren, indem sie den Angreifer an sich vorbeiziehen und wegschleudern oder die Arme wegfegen. Immer wieder wurde das Knie eingesetzt und der Angreifer durch Haare ziehen zu Boden gebracht. In einer letzten Übung wurde einem Freund geholfen, welcher zunächst im Stand und später am Boden von einem Angreifer bedrängt wurde.

Am Ende jeden Tages wurde „Indiaca-Ball“ gespielt, wobei es auf Reaktionsfähigkeit und Zielsicherheit ankam. Natürlich durfte der Spaß nicht fehlen.

Einer der Höhepunkte des Kurses war der Bruchtest am letzten Tag. Hier wurden Stärke, Technik, Atmung und Mut unter Beweis gestellt. Die Kinder sollten zunächst ein, später auch bis zu drei Bretter mit einem Schlag zu Bruch bringen. Bei dieser freiwilligen Übung, die Mut und Selbstüberwindung kostete, machten fast alle Kinder mit.

Die Teilnehmer der Kurse hatten viel Spaß und dazu auch einiges gelernt. Sie fühlen sich nun sicherer und wissen, was zu tun ist, wenn sie ein ungutes Bauchgefühl bekommen. Denn dies ist die Grundvoraussetzung für eine gute Verteidigung. Die Trainer Paula, Alexander und Jonny waren mit den Gruppen sehr zufrieden. Alle Kinder haben sehr gut mitgearbeitet und waren aufmerksam bei der Sache. Die eigene Kreativität und das Kombinieren von gelernten Techniken hat den Kindern auch in komplexeren Situationen gefallen. Die äußerst gute Mitarbeit wurde auch von den Trainern gelobt, so dass die Ferienkurse aus der Sicht der Hildener AT ein voller Erfolg waren

Für die Ju-Jutsu-Abteilung:

Alexander Rudloff
Paula Mathiak